Einheit 1.1 Einführung in die Jugendarbeit und Informationen über benachteiligte Jugendliche

Einleitung

Diese Lektion bietet Ihnen Inhalte, Aktivitäten und Ressourcen zum Thema Jugendarbeit und benachteiligte Jugendliche.

Ziele der Einheit:

  1. Die Teilnehmenden können sich allgemein über Jugendarbeit informieren.
  2. Sie erhalten Einblick in die Situation und spezifische Bedürfnisse von benachteiligten Jugendlichen.

Inhalt der Lerneinheit:

Die Lernaktivitäten richten sich an Personen, die in der Jugendarbeit tätig sind, um sie dabei zu unterstützen, ein Grundverständnis für die Praxis zu entwickeln, die Bedürfnisse benachteiligter Gruppen zu erkennen und entsprechende Aktivitäten für junge Menschen zu entfalten.

Lernaktivitäten:

  • 2 inhaltliche Sitzungen mit vorgeschlagenen Videos,
  • 1 Checkliste,
  • 2 Übungen

Was ist Jugendarbeit?

Jugendarbeit wird allgemein als ein Instrument zur persönlichen Entwicklung, sozialen Integration und aktiven Bürgerschaft junger Menschen verstanden. Jugendarbeit ist ein breiter Begriff, der eine große Bandbreite von Aktivitäten mit, für und von jungen Menschen sozialer, kultureller, pädagogischer oder politischer Natur einschließt. Sie gehört zum Bereich der „außerschulischen“ Bildung, die am häufigsten als non-formales oder informelles Lernen bezeichnet werden. Das Hauptziel der Jugendarbeit ist es, jungen Menschen Möglichkeiten zu bieten, ihre eigene Zukunft zu aktiv gestalten.

Diese Definition von Jugendarbeit findet sich im Youth Portfolio Youth Work Essentials und betont besonders die Vielfalt der Jugendarbeit. Diese kann von Jugendarbeitsprogrammen in Jugendclubs bis hin zu projektbasierter Jugendarbeit ein breites Spektrum abdecken. Von Street Work bis zur schulbasierten Jugendarbeit, von aufsuchender Jugendarbeit bis zu lokalen Jugendzentren.

Um die Bandbreite der Themen, die von der Praxis der Jugendarbeit abgedeckt werden, besser hervorzuheben, werfen wir einen Blick auf Aktivitäten der Jugendarbeit. 

  • Sie ermöglicht jungen Menschen, die Dinge zu tun, die sie gemeinsam oder individuell tun wollen.
  • Sie bietet jungen Menschen Möglichkeiten, Selbstbestimmung zu erlangen und ihre Freizeit zu genießen.
  • Sie unterstützt junge Menschen dabei, Initiative für das zu ergreifen, was ihrer Meinung nach in ihrer Gesellschaft verändert werden sollte. 
  • Sie bietet Lernmöglichkeiten, durch die sie ihre Kompetenzen und Fähigkeiten erweitern können.

 

Die Praxis der Jugendarbeit kann wie folgt beschrieben werden: 

  • Jugendarbeit basiert auf sozialer Inklusion und Teilhabe, und es geht ihr dabei um soziale Entwicklung Unterstützung, persönliche Befähigung und Stärkung/ Empowerment,
  • versucht, sich auf reale Lebensanliegen, Bedürfnisse und Hoffnungen der Jugendlichen zu konzentrieren, die von den Jugendlichen selbst formuliert werden. 
  • bietet ein Konzept, das einen kritischen Ansatz und eine wirksame Kommunikation mit den Jugendlichen innerhalb der professionellen Grenzen beinhaltet, 
  • achtet auf die Solidarität zwischen den Jugendlichen und der lokalen Bevölkerung und ist sich der sozialen Probleme bewusst, 
  • versucht, Barrieren zu verstehen, die der Partizipation und Inklusion junger Menschen entgegenstehen, 
  • entwickelt ein Verständnis für die lokale Community, Partnerorganisationen und Interessenvertreter, die in der Jugendarbeit aktiv sind, 
  • wird durch einen bewussten und freiwilligen Ansatz umgesetzt, der Werte und Prinzipien zu Menschenrechten, respektvollem Umgang mit anderen, Gleichberechtigung der Geschlechter, generationenübergreifendem und interkulturellem Dialog einschließt. 
  • steht den realen Lebensbelangen junger Menschen nahe und bietet experimentelle Möglichkeiten, die auf „learning by doing“ für junge Menschen beruhen,
  • beruht auf Methoden und Praktiken, die die Bedeutung von Teamarbeit mit gut geklärten Rollen und Verantwortlichkeiten unterstreichen
  • kann aufgrund des nationalen politischen Kontextes der Jugendarbeit vielfältige Formen annehmen. 

Dies sind die Aspekte, die wir empfehlen, als in Ihre tägliche Arbeit mit jungen Menschen einzubeziehen.

Aktivitäten-Checkliste:

Unten finden Sie eine Checkliste. Bitte geben Sie reflektierende Kommentare zu Ihrer Arbeitspraxis mit Jugendlichen unter Berücksichtigung der oben genannten Punkte ab, die in ihrer Umsetzung wesentlich zu einer wirksamen Praxis der Jugendarbeit beitragen.

Praktiken der Jugendarbeit können sich weltweit und in unterschiedlichen lokalen Kontexten unterscheiden. Im Folgenden finden Sie einen kurzen Film mit Interviews, aus denen hervorgeht, was Jugendarbeit so spezifisch macht und wie sie in verschiedenen Settings umgesetzt werden kann. Wir empfehlen Ihnen, sich das Video anzusehen und sich davon inspirieren zu lassen. Video  (5 Min.) auf Englisch  

Alternativ können Sie sich auch das folgende Video (3.15 Min. in deutscher Sprache)  ansehen: „Was ist Offene Kinder- und Jugendarbeit? — die Antwort in 3 Minuten!

Übung 1

 

 

 

Titel

Youth Worker’s Journey/ Wege zur Jugendarbeit M1. U1.1 Ex 1

Ziele

Täglichen Aktivitäten der Jugendarbeit kennenlernen und diese durch Momentaufnahmen aus der Praxis zu reflektieren 

Modul, Einheit

Modul 1 Einheit 1.1 

Beschreibung/

Anleitung

Angesichts der Vielfalt der Jugendarbeit sind die Motivation und die Wege, wie jemand Jugendarbeiter/in wird, sehr unterschiedlich. Es gibt viele verschiedene Zugänge zur Jugendarbeit.

Nachfolgend finden Sie einige „Schnappschüsse“, die unterschiedlichen Wege zur Jugendarbeit illustrieren. Es sind Auszüge aus Gesprächen mit 15 Personen während der ersten Konferenz zur Europäischen Ausbildungsstrategie im März 2018.

 Snapshots of Youth Workers‘ Paths (Lesedauer ca. 10 Minuten) Text in Englisch.

Nachdem Sie sich diese Impressionen einmal angeschaut haben, denken Sie über die nachfolgenden Fragen nach und schreiben Sie Ihre Antworten auf (15 Minuten).

●        Wie war Ihr eigener Weg zur Jugendarbeit, oder was ist Ihr Plan, um eine Tätigkeit in der Jugendarbeit zu beginnen?

●        Wie kann Ihrer Meinung nach eine gute Jugendarbeit gelingen?

●        Welche Bedeutung hat es für Sie persönlich, Jugendarbeiter/in zu sein?

Skizzieren Sie Ihren eigenen Weg zur Jugendarbeit (10 Minuten):

1.       Wenn Sie bereits Erfahrung in der Arbeit mit jungen Menschen haben, können Sie den Bereich identifizieren, in den Ihre Arbeit eingeordnet werden könnte.

2.       Wenn Sie derzeit nicht mit jungen Menschen arbeiten, denken Sie an Rollen, die Sie in der Vergangenheit innehatten, oder an Orte und Dienste, die Sie als junger Mensch genutzt haben.

3.       Wenn Sie mit jungen Menschen arbeiten oder dies gerne tun würden, denken Sie darüber nach, ob Sie dort glücklich sind, wo Sie stehen, oder ob Sie eine andere Rolle anstreben könnten.

Reflektieren Sie darüber im Forum-Bereich.

Zusätzliche Hinweise

Dauer

35 Minuten

Kommentare

 

 

Benachteiligung

„Benachteiligung bezieht sich nicht nur auf wirtschaftliche Faktoren wie Einkommensarmut oder mangelnde Erfahrung auf dem formellen Arbeitsmarkt und mangelndes Verständnis dafür, sondern auch auf soziale Faktoren wie Geschlecht, Hautfarbe, ethnische Zugehörigkeit oder Migrationshintergrund sowie geografische Isolation mit schlechtem Zugang zu qualitativ hochwertigen Bildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten.“ (International Labor Organisation -ILO 2011)

Hier sind einige der Herausforderungen, mit denen benachteiligte junge Menschen konfrontiert sein können:

  • schlechte Wohnbedingungen: beengte Verhältnisse, Vandalismus…
  • Herausforderndes soziales Netzwerk: ‚falsche‘ Freunde, negative Einflüsse, Intoleranz zwischen verschiedenen kulturellen Gruppen…
  • Fehlende Freizeitmöglichkeiten: eingeschränkter Zugang zu Jugendaktivitäten, fehlende und teure Sportinfrastruktur, Abneigung von Jugendarbeiter/innen, in schwierigen Gebieten zu arbeiten…
  • Schlechte wirtschaftliche Situation: geschiedene Familien, Arbeitslosigkeit, keine Arbeitserlaubnis, illegales Einkommen, niedriger Lebensstandard, geringes Einkommen, Abhängigkeit von Sozialhilfe, Langzeitarbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit, Verschuldung, etc.
  • Gefühl der Unsicherheit: höhere Kriminalitätsrate, antisoziale Verhaltensweisen,
  • Drogen- und Alkoholmissbrauch: um Teil der Gruppe zu sein, Überlebensmechanismen,
  • Soziale Hindernisse: Diskriminierung, eingeschränkte soziale Fähigkeiten, antisoziales Verhalten, Straftäter oder Haftentlassene, junge Alleinerziehende, zerrüttete Familienverhältnisse, etc.
  • Behinderung: geistige, körperliche, sensorische oder andere Beeinträchtigungen
  • Bildungsherausforderungen: Lernschwierigkeiten, Schulabbruch, keine Qualifikationen, anderer kultureller/sprachlicher Hintergrund, etc.
  • Kulturelle Unterschiede: junge Einwanderer, Flüchtlinge, nationale oder ethnische Minderheiten, sprachliche Anpassungs- und kulturelle Eingliederungsprobleme, etc. 
  • Gesundheitsprobleme: chronische Gesundheitsprobleme, schwere Krankheiten, psychiatrische Erkrankungen, psychische Probleme, etc.
  • Geografische Hindernisse: abgelegene, ländliche Gebiete, kleine Inseln oder periphere Regionen, städtische Problemzonen, weniger gut versorgte Gebiete, usw.

Insbesondere junge Menschen, die in ländlichen und geografisch isolierten Gebieten leben, haben oft nicht die Möglichkeit, alle Informationen und Ressourcen zu erreichen, die in den Stadtzentren verfügbar sind. Außerdem können Entfernungen und fehlende öffentliche Verkehrsmittel den Aufbau nationaler und internationaler Projekte erschweren. In diesem Fall sind Jugendarbeit und Jugendbetreuer/innen rar, so dass keine Initiative ergriffen wird. 

Jugendarbeit ist auch ein Weg, um die Motivation junger Menschen zu fördern, zur Verbesserung ihrer eigenen Situation und der ihrer Gemeinden beizutragen, und die entsprechenden Möglichkeiten dazu bereitzustellen. Es geht auch darum, auf die Gesellschaft, die Politik und die Machtverhältnisse Einfluss zu nehmen, insbesondere wenn junge Menschen benachteiligt, marginalisiert oder ausgegrenzt werden.

Nachfolgend finden Sie ein Video über Jugendarbeit mit sozial benachteiligten jungen Menschen.

Video (6:51 Minuten) in Englisch 

Alternativ können Sie sich das folgende Video mit deutschen Untertiteln anschauen, in dem es um offene und mobile Jugendarbeit geht (10 Minuten). https://www.youtube.com/watch?v=T0Vxfa-dtac

Sie haben vielleicht schon bemerkt, dass die „Arbeit mit benachteiligten Jugendlichen“ in einer Vielzahl von unterschiedlichen Settings stattfindet. Vielleicht haben Sie bereits erste Anregungen gefunden. Es ist jedenfalls ein komplexer Bereich, in dem es viele Unterschiede, aber auch übergreifende Gemeinsamkeiten gibt. Diese können beispielsweise auf die jeweiligen Erwartungen an benachteiligte Jugendliche innerhalb einer Gesellschaft oder auf das jeweilige Verständnis ihrer Bedürfnisse und Anliegen zurückzuführen sein. Die Arbeit mit benachteiligten jungen Menschen bietet Möglichkeiten, Einfluss auf soziales Verhalten zu nehmen, eine sichere Umgebung zu gewährleisten, in der sie ihre Rolle in der lokalen Gemeinschaft vorbereiten und erproben können.

Zudem gibt es auch geografisch bedingte Unterschiede, etwa zwischen städtischer und ländlicher Jugendarbeit. Besonders im Ländervergleich lassen sich aber unterschiedliche Zugänge erkennen. Der transnationale Projektbericht Inno4Impact Comperative Research   der von den Inno4Impact-Partnern erstellt wurde, zeigt exemplarisch einige Unterschiede der Jugendarbeit in diesen Ländern auf.

Übung 2

 

Titel Recherche zu Settings der Jugendarbeit mit benachteiligten jungen Menschen M1 U1.1 Ex2
Ziele Selbständige Recherche im Internet, um herauszufinden, welche Arten von Einrichtungen für benachteiligte junge Menschen in der eigenen Region oder Gemeinde zur Verfügung stehen.
Modul, Einheit Modul 1 Einheit 1.1

Beschreibung/

Anleitung

Durch eine Internetrecherche soll herausgefunden werden, welche Arten von Einrichtungen für junge Menschen in Ihrer Gemeinde verfügbar sind. Suchen Sie zunächst die Website der lokalen Behörde, die Dienstleistungen für junge Menschen in Ihrer Region anbietet. Sie können die Website normalerweise ganz einfach finden, indem Sie den Namen der Behörde eingeben und sehen, welche Links angezeigt werden. Klicken Sie auf jeden Link, der interessant oder nützlich erscheint, und sehen Sie nach, welche Informationen Sie über die von Einrichtungen/ Organisationen finden können, die auf dieser Website beworben werden. Wiederholen Sie dann die Übung mit einer benachbarten Region, damit Sie die Einrichtungen in den beiden Gebieten vergleichen und gegenüberstellen können.

 

Zusatzinfor-mationen für Trainer
Wenn Sie auf der Website Ihrer eigenen Kommune nicht viele Informationen finden, kann es sinnvoll sein, sie mit der einer benachbarten oder einer anderen Ihnen bekannten Region zu vergleichen.
Dauer 30 Minuten
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