Einheit 1.2 Diversität, interkulturelles Lernen und kulturelle Kompetenz

Einleitung

Diese Einheit bietet Ihnen Inhalte, Aktivitäten und Ressourcen zum Thema Vielfalt, interkulturelles Lernen und kulturelle Kompetenz im Kontext der Jugendarbeit.

Ziele der Einheit:

  1. Die Teilnehmer erhalten Informationen über interkulturelle Hintergründe in der Jugendarbeit
  2. Die Teilnehmer erfahren über die Bedeutung von Diversität und diversitätsorientierter Ansätze

Inhalt der Einheit:

Die Lernaktivitäten in diesem Modul vermitteln Jugendbetreuer/innen berufliche Kenntnisse und Kompetenzen in Bezug auf Vielfalt, interkulturelles Lernen und kulturelle Fragen. Sie richten sich dabei insbesondere an Personen, in deren Umfeld Vielfalt, interkulturelles Lernen und kulturelle Kompetenzen eine besondere Rolle spielen. Bei Bedarf können junge Menschen an geeignete Unterstützungsdienste weitergeleitet werden.

Lernaktivitäten:

  • 2 inhaltliche Sitzungen mit Videos
  • 2 Übungen

Diversität

Begriffe wie Diversität, interkulturelles Lernen und Kultur sind schwer zu definieren, da diese Definitionen immer von intern heterogenen Gruppen ausgehen, die Individuen mit unterschiedlichen Überzeugungen und Praktiken enthalten. Darüber hinaus verändern sich die zentralen kulturellen Überzeugungen und Praktiken, die typischerweise mit einer bestimmten Gruppe assoziiert werden, ständig und entwickeln sich im Laufe der Zeit weiter.

Es kann jedoch zwischen den materiellen, sozialen und subjektiven Aspekten von ‚Kultur‘ unterschieden werden, d. h. zwischen den materiellen Artefakten, die von den Mitgliedern einer kulturellen Gruppe üblicherweise hergestellt und verwendet werden (z. B. Werkzeuge, Nahrungsmittel, Kleidung usw.), den sozialen Institutionen der Gruppe (z. B. Sprache, kommunikative Konventionen, Folklore, Religion usw.) und den mentalen Überzeugungen, Werten, Diskursen und Praktiken, die als Bezugsrahmen für das Denken über die Welt und die Beziehung zu ihr dienen.

Diversität (in) der Jugendarbeit:

Die Jugendarbeit nutzt eine Vielzahl von Orten. Dabei geht es nicht nur im wörtlichen Sinn um das Gebäude oder die Einrichtung, in der die Arbeit stattfindet. Auch das jeweilige „Setting“ bzw. die Rahmenbedingungen spielen eine Rolle und können anhand verschiedener Aspekte und Merkmale unterschieden werden. Dies können beispielsweise folgende sein:

  • der Arbeitsort
  • die Organisation, die für die Arbeit verantwortlich ist
  • die Art der Arbeit, die dort stattfindet, und ihr Ziel
  • ob die Bereitstellung in Teilzeit oder Vollzeit erfolgt
  • die Rolle der Personen, die diese Arbeit verrichten
  • die Beschäftigungsverhältnisse – bezahlt oder ehrenamtlich, etc.
  • ob die Einrichtung finanzielle Mittel erhält und/oder Gebühren erhebt
  • ob die Einrichtung über ihre Tätigkeit rechenschaftspflichtig ist, z.B. an eine Behörde oder übergeordnete Organisation.

 

Übung 1

 

Titel

Was geht in diesem Bild vor sich? M1 U1.2. Ex1

Ziel

Die Teilnehmenden untersuchen ein Bild nach Details, stellen Reflexionen an und ziehen Schlussfolgerungen im Hinblick auf Diversität

Modul, Einheit

Modul 1 Einheit 1.2

Beschreibung/

Anleitung

Klicken Sie auf den untenstehenden Link und sehen Sie sich das Bild ohne Bildunterschrift genau an. Denken Sie dann über die drei untenstehenden Fragen nach und schreiben Sie Ihre Gedanken in den Forum-Bereich.

Whats-going-on-in-this-picture – Was geht auf diesem Bild vor sich?

● Was sagen Sie dazu?

● Was haben Sie außerdem herausgefunden?

● Wie können Sie das Bild mit Begriffen von Vielfalt/Diversität in Verbindung bringen?

Eröffnen Sie eine Diskussion im Forum.

Zusätzliche Hinweise

 

Dauer

30 min. (15 min. für Bildanalyse und 15 min. für Forum-Eintrag)

Kommentare

 

Kultur - Interkulturelles Lernen und kulturelle Kompetenz

„Kultur“ ist ein Kompositum, das aus mehreren Aspekten gebildet wird und aus einem Netzwerk von materiellen, sozialen und subjektiven Ressourcen besteht. Der gesamte Satz an kulturellen Ressourcen ist über die gesamte Gruppe verteilt, aber jedes einzelne Mitglied einer Gruppe nutzt nur eine Teilmenge dieses Gesamtsatzes an kulturellen Ressourcen, die ihm potenziell zur Verfügung stehen (Barrett et al., 2014; Europarat, 2016a).

Kultur auf diese Weise zu definieren bedeutet, dass jede Art von sozialer Gruppe ihre eigene unverwechselbare Kultur haben kann: nationale Gruppen, ethnische Gruppen, Glaubensgruppen, sprachliche Gruppen, Berufsgruppen, Generationengruppen, Familiengruppen usw. Dies impliziert auch, dass alle Individuen mehreren Gruppen angehören und daher mehrere kulturelle Zugehörigkeiten und Identitäten haben (z. B. nationale, religiöse, sprachliche, generationelle, familiäre usw.).

Obwohl alle Menschen mehreren kulturellen Formationen angehören, nimmt jede Person an einer anderen Konstellation teil, und die Art und Weise, wie sie sich zu einer bestimmten Kultur verhält, hängt zumindest teilweise von den Perspektiven ab, die von anderen kulturellen Bereichen geprägt sind, denen sie ebenfalls angehört. Mit anderen Worten: Kulturelle Zugehörigkeiten überschneiden sich, und jedes Individuum hat eine einzigartige kulturelle Positionierung.

Im heutigen Kontext bedeuten diese Mehrfachzugehörigkeiten jedoch eine Herausforderung für junge Menschen, für Europa und für das interkulturelle Lernen. Wenn wir über die Verbindung zwischen interkulturellem Lernen und Jugendarbeit sprechen, geht es darum, dass sich junge Menschen mit ihren komplexen und vielfältigen Hintergründen auseinandersetzen, und das bedeutet, dass sie sich mit Dingen auseinandersetzen müssen, die widersprüchlich erscheinen können.

Um diese Hindernisse zu überwinden, müssen Jugendbetreuer/innen viele Aufgaben übernehmen. Eine davon ist es, eine respektvolle Zusammenarbeit mit jungen Menschen aufzubauen. In der Jugendarbeit sollte eine aufgeschlossene Haltung gegenüber Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund herrschen. Eine unverzichtbare Fähigkeit ist die so genannte interkulturelle Kompetenz. Sie bezeichnet die Fähigkeit, mit Menschen, die einen anderen kulturellen Hintergrund haben, konstruktiv umzugehen und erfolgreich und verantwortungsvoll mit ihnen zusammenzuarbeiten. Es ist wichtig, dass Jugendbetreuer/innen und andere Personen, die mit Jugendlichen arbeiten, sich bewusst sind, dass die Identität einer Person nicht nur durch Herkunft bestimmt wird, sondern auch durch viele andere Merkmale (z.B. Geschlecht, Bildung, Beruf, Alter, Wohnort, Nationalität/en der Eltern, politische Orientierung, sexuelle Orientierung usw.).

Interkulturelle Kompetenz zu besitzen bedeutet, sensibel für andere Wahrnehmungen und Wertesysteme zu sein, ein Bewusstsein für den eigenen kulturellen Kontext zu haben – und diesen kritisch zu reflektieren. Bei der Arbeit mit benachteiligten Jugendlichen ist es besonders wichtig, ein Bewusstsein für solche interkulturellen Aspekte zu haben, etwa um unterschiedliche Erwartungen wahrnehmen zu können, angemessen handeln zu können und gemeinsame Projekte erfolgreich durchführen zu können.

Um ein Bewusstsein für interkulturelle Themen zu entwickeln und sich wirkungsvolle Kommunikationsfähigkeiten anzueignen, ist das „Eisbergmodell“ eine interessante Methode. Das Eisbergmodell ist ein Werkzeug, das es Ihnen ermöglicht, Ihre Perspektive zu verschieben und über die unmittelbar wahrnehmbaren Ereignisse hinauszublicken. Es hilft Ihnen, den Ursachen für bestimmte Ereignisse auf den Grund zu gehen, indem man auf tiefere Abstraktionsebenen innerhalb des Systems schaut, die nicht sofort offensichtlich sind. 

Dieses Kommunikationsmodell geht davon aus, dass – wie bei einem Eisberg – nur ein kleiner Teil der Botschaft, nämlich 20%, direkt sichtbar ist. Das sind vor allem Sachinformationen: Zahlen, Daten und Fakten. Der weitaus größere Teil (80%) bleibt jedoch versteckt und wird implizit auf der Beziehungsebene übertragen – hier spielen Gefühle und Stimmungen eine große Rolle.

Zum besseren Verständnis des Eisbergmodells empfehlen wir Ihnen, sich das folgende Video anzusehen.  

 Video (in Englisch – 2:50 min)

Alternativ können Sie sich auch das nachfolgende Video in deutscher Sprache ansehen: https://www.youtube.com/watch?v=5YVaTMKFgHs (9 Minuten)

Das „Eisbergmodell“ in der Jugendarbeit

Das Eisbergmodell lenkt die Aufmerksamkeit von Jugendarbeiter/innen auf die verborgenen Aspekte von Kultur und Kommunikation und macht uns bewusst, dass in interkulturellen Begegnungen Ähnlichkeiten oder Unterschiede, die wir auf den ersten Blick wahrnehmen, auf den zweiten Blick auf unterschiedlichen Annahmen über die Realität beruhen können. Interkulturelles Lernen bedeutet, sich zunächst des unteren Teils des „eigenen Eisbergs“ – also auch der eigenen verborgenen Vorannahmen – bewusst zu werden und in der Lage zu sein, sich mit anderen darüber auszutauschen, um sich gegenseitig besser zu verstehen und Gemeinsamkeiten zu finden.

Übung 2

 

Titel Das „Eisberg-Kulturmodell“ M1 U1.2 Ex2
Ziel Die Teilnehmenden sollen in die Lage versetzt werden, in der Arbeit mit benachteiligten jungen Menschen auch über (verborgene) kulturelle Aspekte zu reflektieren
Modul, Einheit Modul 1 Einheit 1.2

Beschreibung/

Anleitung

Denken Sie über Ihre Jugendarbeitspraxis nach und wählen Sie 3 verschiedene kulturelle Themen aus, die Ihnen in der Arbeit mit benachteiligten Gruppen begegnet sind und an denen Sie das „Eisbergmodell“ illustrieren können. Denken Sie an den jeweiligen Beispielen über Fragen zu Mustern, Strukturen und mentalen Modellen nach und verlegen Sie eine Diskussion ins Forum.

Ereignisse: Was ist passiert?

Muster: Was hat sich ereignet? Haben wir das schon einmal erlebt?

Strukturen: Welche Kräfte sind im Spiel, die zu diesen Mustern beitragen?

Mentale Modelle: Inwiefern haben unser Denken/ unsere Vorannahmen dazu geführt, dass diese Situation besteht?

Zusätzliche Hinweise  
Dauer 1 Stunde
Kommentare  

 

Quiz Time

Quiz 1: Beenden Sie das Modul mit einem Quiz.