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[Sticky] Modul 1, Einheit 2, Übung 2: Eisberg-Kulturmodell


Sarah Wild
Posts: 10
Admin
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(@bupnet2)
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Joined: 1 year ago

Denke über Deine Jugendarbeitspraxis nach und wähle 3 verschiedene kulturelle Themen aus, die Dir in der Arbeit mit benachteiligten Gruppen begegnet sind und an denen Du das „Eisbergmodell“ illustrieren kannst. Denke an den jeweiligen Beispielen über Fragen zu Mustern, Strukturen und mentalen Modellen nach und poste Deine Ergebnisse hier im Forum.

Ereignisse: Was ist passiert?

Muster: Was hat sich ereignet? Haben wir das schon einmal erlebt?

Strukturen: Welche Kräfte sind im Spiel, die zu diesen Mustern beitragen?

Mentale Modelle: Inwiefern haben unser Denken/ unsere Vorannahmen dazu geführt, dass diese Situation besteht?

4 Replies
Lina Marie Neuenburg
Posts: 8
(@lina-marie-neuenburg)
Active Member
Joined: 11 months ago

 

  1. (leicht) behinderte Menschen
  • Ereignis: besonders leicht behinderte Menschen werden oft als Ableist_innen angesehen, weil man ihnen ihre Behinderung nicht ansieht. Dies ist auf einer Seite erfreulich, da somit kein Unterschied gemacht wird, wenn die leichte Behinderung in einer Übung jedoch Schwierigkeiten mit sich bringt, dann werden manche Menschen schnell sehr unfreundlich. Das Beispiel hier ist ein Junge, welcher eine Behinderung an der Hüfte hat und deshalb nicht so ausdauernd laufen darf. Er selbst nimmt das mit Humor und lebt damit gut, jedoch kam es dann zu einer Situation in der der Sportlehrer als Krüppel beleidigt.
  • Muster: Es hat sich eine Diskriminierung von einer (von sich selbst behauptenden) ableisten Person auf eine disableisten Person ergeben. Dieses Ereignis was das erste im Schulkontext, jedoch nicht das erste im Leben. Leider kommt es immer noch häufig zu Beschimpfungen und Beleidigungen von Personen mit Behinderungen.
  • Strukturen: Die hier anwesenden Kräfte sind die Autorität des Lehrers und die damit wirkende Einschüchterung des Schülers. Der Lehrer nimmt sich seine Machtstellung heraus, um jüngere und auch kleinere Personen runterzumachen.
  • Mentale Modelle: Trotz dessen, dass der Lehrer eine behinderte Nichte hat, ist er nicht im Kreis der behinderten selbst und nimmt sich ein recht heraus, welches er nicht hat. Seine Vorannahmen, dass es in Ordnung sei jemanden so zu beleidigen führten zu seinem Angriff. Leider wissen wir nicht, ob es für seine Nicht okay gewesen wäre, dennoch wurde hier nicht auf die andere Person (den Jungen) geachtet, sondern blindlinks gehandelt.

 

  1. Psychisch Kranke (Beispiel: Depression)
  • Ereignis: Ein Mädchen wird von ihren Freund_innen immer dazu gedrängt, doch auch mal raus zu gehen.
  • Muster: Dieses Muster kommt häufig vor. Das depressive Mädchen, möchte lieber allein sein und geht deshalb nicht häufig raus, selbst die Schule besucht sie nicht immer.
  • Strukturen: Die äußeren Kräfte der Freund_innen sowie die Depression prallen hier aufeinander. Druck, Angst und innere Unruhe sind hier große Kräfte, die aneinander zerren und sich somit vervielfachen.
  • Mentale Modelle: Die Freund_innen wissen wahrscheinlich nicht genau, dass das Mädchen Depressionen hat und können deshalb nicht entsprechen handeln oder sie kennen sich nicht mit der Erkrankung aus und wollen ihrer Freundin nur helfen. Die Vorannahmen des depressiven Mädchens, dass das rausgehen zu anstrengend ist und, dass sie einen hohen Druck (von wahrscheinlich allen Seiten) fühlt sind ihrer psychischen Verfassung zu schulden, welche erstmal ergründet werden müssen.

 

  1. Menschen mit anderer Herkunft/Abstammung
  • Ereignis: Der Mitarbeiter eines Autohauses wird von einem Kunden absichtlicher Weise mit gebrochenem Deutsch angesprochen. Zuvor konnte der Kunde außerordentlich gutes Deutsch.
  • Muster: Dies kommt häufig vor. Menschen deutscher Herkunft unterschätzen die „anders aussehenden“ und denken sie könnten kein Deutsch. Auf der einen Seite ist das vielleicht eine Art entgegenkommen (bzw. wird es oft von den „Tätern“ so betitelt), viel eher ist es jedoch eine Diskriminierung
  • Strukturen: Autoritäten werden hier ignoriert und Kräfte von scheinbaren „Aus- und Innländerunterscheidungen“ werden sichtbar. Auch ist hier die Macht der Sprache nicht zu unterschätzen.
  • Mentale Modelle: Der Kunde weiß nicht, dass der Verkäufer in Deutschland aufgewachsen ist und sehr gutes Deutsch kann. Er hat die Vorannahme, dass er auf einen Ausländer ohne genügend Deutschkenntnisse stößt und hat vielleicht zuvor schlechte Erfahrungen gemacht. Der Mitarbeiter ist jedoch neu (für den Kunden) und verdient diese Behandlung nicht.
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Sarah Wild
Posts: 10
Admin
Topic starter
(@bupnet2)
Member
Joined: 1 year ago

Sehr gut gewählte Beispiele und detaillierte Analyse anhand des Eisberg-Modells.
Gute Arbeit!

Reply
Stefanie Kostenzer
Posts: 7
(@stefanie-kostenzer)
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Joined: 10 months ago

1. Als "hoffnungslos" abgestempelte Jugendliche

durch meine Arbeit bin ich manchmal an Mittelschulen tätig. Dort bietet sich mir fast immer das selbe Bild: (pre)pubertäre, Jugendliche, meistens männlich und mit Migrationshintergrund auf der einen Seite, auf der anderen Seite Lehrpersonen, die mir erklären, ich solle vorsichtig sein, "diese Jungs" sind gefährlich, mich als weiblich gelesene Person respektieren sie eh nicht.

Diese Vorurteile der Lehrpersonen haben oft mit schlechten Erfahrungen zu tun. Aber auch mit Ängsten. Jugendliche wissen oft selbst nicht was sie tun und lassen sich sehr leicht beeinflussen. Sie stehen unter enormen Druck, wollen dazugehören. Gerade junge Männer mit Migrationshintergrund wissen aber, dass ihnen Chancengleichheit verwehrt bleibt. Das vorsichtige, oft auch ängstliche Verhalten der Lehrpersonen, welche sie bereits aufgegeben hat, trägt ebenfalls dazu bei, dieses Verhalten an den Tag zu legen.  

 

2. Schlägereien

an meiner letzten Schule war ein Junge mit Fluchthintergrund, der regelmäßig andere Kinder bedrohte und/oder schlug. Häufig musste er zum Direktor, auch beim Lehrpersonal war er aufgrund seiner Art recht unbeliebt. Durch diverse Gespräche mit ihm weiß ich, dass andere Kinder sich einen Spaß daraus machen, gewisse Triggerpunkte von ihm zu verwenden, um ihm eine Reaktion zu entlocken. Natürlich rechtfertig das sein Verhalten nicht, dennoch ist dies ein gutes Beispiel dafür, dass es sich lohnt nach den tieferliegenden Gründen für Schlägereien zu forschen. Gerade bei Kindern und Jugendlichen mit Fluchthintergrund stelle ich mir immer die Frage, was wohl zu dieser Reaktion geführt haben könnte, welche tieferliegenden Trigger da getroffen wurden und dann gemeinsam da anzusetzen um eine bessere Reaktion auf diese Trigger zu finden. 

 

3. Geschlechterspezifische Erwartungen

nach wie vor sind geschlechterspezifische Erwartungshaltungen ein Thema an Schulen. Ich habe einmal miterlebt, wie eine Lehrerin beim Sport zu ihren SchülerInnen gesagt hat, dass sie "starke Jungs" braucht, die ihr beim Tragen helfen. Als ich sie im Nachhinein darauf angesprochen habe, war sie sich der Situation gar nicht bewusst, sie habe das schon immer so gesagt und sich noch nie darüber Gedanken gemacht. Die Mädchen können sich ja auch melden, wenn sie Lust dazu hätten. Das haben wir schon immer so gemacht ist eines der kräftigsten Argumente, zumindest wirkt es in so Gesprächen oft so. Nur weil etwas schon immer so gemacht wurde, heißt das ja nicht automatisch, das es so gut und in Stein gemeißelt ist. Dennoch habe ich auch Verständnis für diese Art von Argumenten. Meist kommen sie von den älteren Generationen, die schon etwas festgefahren sind in ihrer Art, Dinge zu machen. Kein Mensch mag Veränderung und Denkmuster und Sprache anzupassen wirkt erstmals nach viel Arbeit. Auch die Annahme, dass "eh jeder weiß, dass alle Geschlechter gemeint sind" und "dass das nicht böse gemeint ist" dienen als Argumente. 

 

 

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JohannaR
Posts: 7
(@johannar)
Active Member
Joined: 9 months ago

 

  1. Kinder mit Behinderung
  • Ereignis:Kind ist in einer Klasse integriert, hat Unterstützung durch eine Schulassistenz – Personen, die das Kind nicht kennen, wenden sich an die Assistentin um sich über das Kind zu unterhalten und nicht direkt an das Kind.
  • Muster:Personen mit Behinderung werden oft keine oder nur sehr wenige Fähigkeiten zugetraut. Sie bekommen gar keine Möglichkeit Fähigkeiten zu entwickeln, da sie nicht beachtet werden.

 

  • Strukturen:Assistenzperson wird als Sprachrohr verwendet, auch wenn die Person über Fähigkeiten zu kommunizieren besitzt. Mensch mit Behinderung wird als unfähig gesehen;
  • Mentale Modelle: Personen, die keine Erfahrungen mit Menschen mit Behinderungen haben sind oft unsicher im Umgang mit MmB. Daraus entstehen oft Missverständnisse und die Untergrabung der Fähigkeiten von MmB.

 

  1. Eigenes Erscheinungsbild
  • Ereignis: Ich schneide mir eine Glatze
  • Muster:Personen verbinden eine Glatze sofort mit einer Krankheit.
  • Strukturen: Das äußere Erscheinungsbild wird von vielen verschiedenen Bildern geprägt. Glatze=Krank, oder Nazi? Bunte Haare = Punk, Tatowierungen = böse usw.
  • Mentale Modelle: Die Klischees jeder einzelnen Person werden sofort auf eine andere Person gestülpt. Es folgt eine sofortige Kategorisierung der Person. Gut/schlecht/schön/hässlich….

 

  1. Menschen mit afrikanischer Abstammung
  • Ereignis: Schaffnerkontrolle im Zug: Schaffner kontrolliert die Tickets, nur bei Person mit afrikanischer Abstammung möchte er zusätzlich einen Ausweis sehen.
  • Muster: Ich beobachte dieses Muster sehr häufig. Personen mit scheinbarer „anderen“ Herkunft werden sofort als Fahrgäste ohne gültigen Fahrschein abgestempelt. Sie werden offensichtlich anders behandelt.

 

  • Strukturen: Schaffner ist in seinem Denken bereits negativ der Person gegenüber eingestellt und behandelt dad

 

  • Mentale Modelle: Offenbar werden hier bereits erlebte (negative!) Situationen auf alle Personen oktroyiert und nicht mehr differenziert betrachtet.
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